Vivaldis Violinkonzerte – Inspiration für Bach

Juwelen der Violinkonzertliteratur
mit Julia Schröder, Violine

Julia Schröder, Violine

lautten compagney BERLIN | Wolfgang Katschner

 

1711. In Europa bricht das Vivaldi-Fieber aus.
Die Konzertsammlung des Venezianers, „L‘Estro Armonico" (‚Harmonische Eingebung‘), in Amsterdam erstmals gedruckt, verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Sie wird epochemachend für die Entwicklung des Instrumentalkonzerts. Plastisch wie nie tritt bei Vivaldi der Solist aus dem Ensemble hervor, rückt der Wechsel von Solo und Tutti ins Zentrum der formalen Gestaltung.

 

Die frappierende Modernität des neuen dreisätzigen Konzert-Typ bedeutet auch für Bach Inspiration pur: Er nimmt sich die Werke des komponierenden Geigenvirtuosen zum Vorbild und überträgt sie auf Cembalo und Orgel. Bachs erster Biograf, Johann Nikolaus Forkel, resümiert: „Er studirte die Führung der Gedanken, das Verhältnis derselben unter einander, die Abwechselungen der Modulation und mancherley andere Dinge mehr".

Mancherley andere Dinge mehr... Für seine Violinkonzerte macht sich Bach nicht zuletzt auch den Schwung und die Klangpracht des neuen concerto-Typs zu eigen. Der Solo-Part ist bei ihm jetzt raffiniert eingebunden in das Stimmengeflecht aller Streicher, statt virtuos auf dem Streicherpodest zu thronen.

 

Es ist frische und elegante Musik, die unter Bachs Feder entsteht. Und eine Musik voller emotionaler Tiefe - in den luftig-federnden Ecksätze genauso wie in den langsamen Sätzen mit ihren himmlisch-betörenden Geigenklängen.