Omnia tempus habent - Alles hat seine Zeit

Alte und Neue Musik von Gesualdo/Sciarrino, Carissimi und B.A. Zimmermann und Videokunst von Veit-Lup

„Wie die Zeit vergeht" hatte Karlheinz Stockhausen einen für die Avantgarde der 50er Jahre grundlegenden Aufsatz überschrieben. Auch für dessen Antipoden Bernd Alois Zimmermann war das Phänomen der Zeit Fixpunkt seines musikalischen und philosophischen Denkens, und so nimmt es nicht wunder, daß Zimmermann für seine 1957 entstandene Solo-Kantate „Omnia tempus habent", die in ihrer seriellen Konstruktion ein Extremwerk darstellt, auf die Worte des alttestamentarischen Prediger Salomo zurückgriff: „Alles hat seine Zeit ...". Zimmermanns Kantate ist das Herzstück eines Programms, dessen inhaltliche Klammern der Begriff der Zeit und der Bezug zum Alten Testament sind. Dabei wird ein Brückenschlag von der Moderne über die Jahrhunderte hinweg gesucht, nämlich zur italienischen Musik an der Wende von Renaissance zum Barock: Giacomo Carissimi gilt als der erste große Meister des Oratoriums mit einer an Monteverdi geschulten, affektgeladenen Sprache. Die „Historia di Ezechiel" erzählt von einer wundersamen Umkehr der Zeit, „Jonas" hingegen vom dramatischen Geschehen um den gleichnamigen Propheten. Gegenwart und Vergangenheit fließen in den beiden das Konzert eröffnenden und beschließenden Stücken Gesualdos zusammen. Aus irdischem Schmerz geboren ist das Madrigal „Tu m'uccidi, o crudele", von Salvatorre Sciarrino ebenso kongenial insrumentiert wie die „Galliarda", deren unbeschwerte Tanzrhythmen von einer abgründigen chromatischen Harmonik konterkariert werden.

Die Oratorien Carissimis gleichen virtuellen Opern. Das in ihnen angelegte szenische Moment wird in den Filmen von Veitlup seine Entsprechung finden.

 

Carlo Gesualdo/Salvatorre Sciarrino 

„Tu m'uccidi, o crudele", „Galliarda"

Giacomo Carissimi

„Historia di Ezechiel", „Jonas" - Oratorien für Soli, Chor und Instrumente

Bernd Alois Zimmermann

„Omnia tempus habent" - Kantate nach Texten der Vulgata

 

Anna Prohaska Sopran

Capella Angelica

Lautten Compagney Berlin

Wolfgang Katschner Leitung

Kammerensemble Neue Musik Berlin

Rüdiger Bohn Leitung

Veit-Lup Videoinstallation

 

Eine Produktion des Konzerthauses Berlin

 

Premiere im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses Berlin am 29. Oktober 2005

Weitere Aufführungen am 4.11. und 5.11.05