Herr/mein Gott/ich preise dich

Geistliche Musik des Wolfenbütteler Barock

Nach einer anfänglichen Reverenz an den Großmeister Michael Praetorius erklingt weithin unbekannte Musik zu geistlichen Dichtungen, die sowohl von Angehörigen des welfischen Fürstenhauses und der Gandersheimer Kanonissin Sophie Eleonore von Braunschweig-Bevern (1674–1711) stammen als auch von bürgerlichen Autoren wie dem Wolfenbütteler Juristen Gottfried Wilhelm Sacer (1635–1699) sowie dem 1690 als Diakon an die Wolfenbütteler Hauptkirche berufenen pietistischen Theologen und Dichter-Musiker Heinrich Georg Neuß (1654–1716). Neuß erregte mit seinem »collegium musicum«, das er montagsabends in der »Heinrichstädtischen Kirche« abhielt unerhörtes Aufsehen und machte so den Veranstaltungsort des Konzerts zu einem wichtigen Schauplatz musikkultureller Bestrebungen im frühen Pietismus. Neben dem titelgebenden Psalmlied von Neuß bietet das Konzert als eine Besonderheit drei Liedparodien dieses Wolfenbütteler Pietisten zu Vokalkompositionen aus Jean-Baptiste Lullys Ballett-Oper »Le Triomphe de L’Amour« (1681), die jeweils auch im französischen Original zu Gehör gebracht werden.