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SEELENFRIEDEN
Wenn die Welt in Aufruhr ist, bekommen Sehnsüchte nachinnerer Einkehr eine existentielle Dringlichkeit. Das ist in unserer Gegenwart so – auch wenn da mitunter kommerzielleInteressen den guten Kern von Ruhe- und Heilsversprechen verdecken. Diese Sehnsüchte verbinden uns Menschen heute auf bemerkenswerte Weise mit der Welt vor rund 400 Jahren. Überhaupt sind die Parallelen zwischen dem frühen 21. Jahrhundert und der Epoche des Frühbarocks im 17. Jahrhundert faszinierend – oder auch verstörend. Je nach Blickwinkel.
Eine langanhaltende Klimakrise, Krieg, wirtschaftliche Turbulenzen, Missernten mit darauf folgender Hungersnot, wiedererstarkender Aberglauben und Verschwörungstheorien, Seuchen … das sind eben nicht nur Schlaglichter auf das noch junge 21. Jahrhundert, sondern diese Begriffssammlung kann als Signatur der Welt um 1600 und der folgenden Jahrzehnte angesehen werden. Und wo heute, inmitten von Beschleunigung, Digitalisierung und Rationalisierung immer mehr Wege oder besser: Auswege gesucht werden, die zu Ruhe, Hoffnung, Besinnung und Einkehr führen sollen, so ging es im Frühbarock vor allem um Frieden.
Das hatte natürlich rein äußerlich etwas mit dem langanhaltenden Weltenbrand namens Dreißigjähriger Krieg zu tun. Aber es ging immer auch um den inneren Frieden. Um Seelenfrieden. Nur am Rande sei erwähnt, dass im Grimm’schen Wörterbuch als der großen Zusammenfassung des Wissens undSprechens der Frühen Neuzeit über 2.000 Wörter stehen, die aus dem Wort „Seele“ gebildet werden: Seele, Seelendiät, Seelenfieber, Seelenherzchen, Seelengewitter, Seelenmelodie, Seelenmut oder auch Seelenwürze (das meinte dieFähigkeit, das Leben mit Fantasie zu würzen), Seelentrost… und eben Seelenfrieden.
Erscheinungstermin: April 2026
- Martin Platz Tenor
- Wolfgang Katschner Musikalische Leitung
- lautten compagney BERLIN