Ariadne auf Naxos

Orchesterkonzert mit Sprechern

Ein Melodram von Georg Anton Benda und Orchesterwerke von Carl Philipp Emanuel Bach

In diesem Konzert des Festivals Neue Töne aus Preußen steht das Melodram als neue musikalische Form der Aufklärung im Mittelpunkt des Interesses. Es verwendet eine Reihe von äußerst innovativen neuen Techniken von Komposition und musikdramatischen Strukturen.
Das Stück Pygmalion von Jean-Jaques Rousseau (1712-1778) geschrieben 1762 und aufgeführt 1770 gilt als das erste eigenständige Melodram des 18. Jahrhunderts und fungierte wie eine Art Initialzündung für die weitere Entwicklung dieser Gattung. Hier dient die Musik, noch vom Text getrennt, als Untermalung der dramatischen Pantomime zwischen den gesprochenen Abschnitten. Die Vorstellung des Autors wird durch die musikalischen Illustrationen belebt.

In Georg Anton Bendas Melodram Ariadne auf Naxos von 1774 werden gesprochene Sprache und Bewegung, ähnlich einem Recitativo Accompagnato, von zugleich erklingender dramatischer Musik des Orchesters untermalt. Dieses Werk war zu seiner Entstehungszeit äußerst beliebt.
Die Häufigkeit der Aufführungen demonstriert den großen Erfolg des Stückes. Allein in Gotha war Ariadne auf Naxos zwischen 1775 und 1779 siebzehn Mal zu hören. Weitere 36 Vorstellungen kamen in Berlin dazu, die so gut besucht waren, dass das Melodram in das größere Monbijoutheater verlegt werden musste, wo 49 zusätzliche Wiederholungen folgten. Ariadne auf Naxos wurde auch eine Inspiration für andere Komponisten.

Die Geschichte des griechischen Mythos von Theseus und Ariadne, der Tochter des kretischen Königs Minos, faszinierte schon lange vor Bendas Melodram Künstler aller Sparten. In der Musik erwachte die Geschichte immer wieder zum Leben, so zum Beispiel in Claudio Monteverdis L’Arianna von 1608 oder in Georg Friedrich Händels Arianna in Creta von 1733.

Historischer Kontext – Georg Anton Benda (1722-1795) und sein Wirken in Berlin

Nachdem Franz Benda (1709-1786), der älteste Sohn der Musikerfamilie Benda bereits Mitglied der Königlichen Hofkapelle Friedrich II. war, erwirkte Friedrich II. beim Lehnsherrn der Bendas die Ausreise der restlichen Familie. In Potsdam führte Franz Benda seinen Bruder Georg Anton in die von Friedrich II. bevorzugte Spielweise auf der Geige ein und er bekam noch im selben Jahr ebenfalls eine Anstellung als Violinist im königlichen Orchester.
Nach der streng gegenreformatorischen Jesuitenerziehung in Böhmen kam Georg Anton in Potsdam und Berlin nun in Berührung mit der aufklärerischen Musikästhetik am Hofe von Friedrich II. unter dem Einfluss der französischen Philosophie von Voltaire und Rousseau und der Affektenlehre. Im Kloster des Ordens hatte Benda die sogenannten Jesuiten-Dramen kennengelernt, bei denen gesprochener Text und gesungene Partien sich abwechselten. Diese inspirierten ihn möglicherweise in Gotha zu seinen Melodramen. Als Mitglied der Hofkapelle lernte er die Kompositionen von Johann Joachim Quantz, den Brüdern Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun und Johann Adolph Hasse kennen. Er nahm insbesondere auch an italienischen Opernaufführungen teil (Eröffnung der neuen Königlichen Oper am 7. Dezember 1742). Von 1742–1749 hatte er Gelegenheit, die Singspiele der Schauspielergesellschaft von Johann Friedrich Schönemann zu erleben. Mit Carl Philipp Emanuel Bach, 1738–1768 als Cembalist ebenfalls Mitglied der Hofkapelle, war Benda zeitlebens in Kontakt in Form von Briefen, Subskriptionen, gegenseitigen Besuchen und hat wohl auch dessen Vater Johann Sebastian Bach und Bruder Wilhelm Friedemann kennengelernt, als sie 1747 in Berlin zu Besuch waren und bei Hofe erschienen. Nach dem Vorbild des Königs wurde Georg Anton Benda (1722-1795) in Berlin Protestant und Freimaurer.

 

Das Projekt „Neue Töne aus Preußen“ wird gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa

  • Katharina Spiering Sprecherin (Ariadne)
  • Lutz Wessel Sprecher (Theseus)
  • lautten compagney BERLIN
  • Wolfgang Katschner Musikalische Leitung
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