Die Anatomie der Melancholie

John Dowland zum 400. Todestag – „Semper Dowland semper dolens“

Robert Burton hat dem Epochensignum der Schwermut im Jahr 1621 mit „The Anatomy of Melancholy“ ein berühmtes, bis heute immer wieder aufgelegtes Buch gewidmet. John Dowland benötigte zum Ausdruck dieses Lebensgefühls nur ganze vier Noten. Mit dem berühmten fallenden Tränenmotiv des diatonisch absteigenden Tetrachords schuf er ein Markenzeichen nicht nur seiner eigenen künstlerischen Persönlichkeit, sondern ein Emblem des ganzen elisabethanischen Zeitalters. Wir hören es am Beginn des weltschmerzlich pessimistischen Lieds „Flow, my teares“, das in über hundert zeitgenössischen Abschriften und Drucken überliefert ist – ein Fingerzeig, wie populär es zu seiner Zeit gewesen sein muss.

Dowland hat den möglicherweise von ihm selbst stammenden Text nachträglich einer Lauten-Pavane unterlegt und diese später, bearbeitet für Consort-Ensemble, auch in seine 1604 im Druck erschienene Sammlung „Lachrimae, or Seaven Teares Figured in Seaven Passionate Pavans“ aufgenommen. Eine dort ebenfalls enthaltene andere Pavane trägt kaum zufällig den programmatischen Titel „Semper Dowland semper dolens“ („Immer Dowland, immer schmerzhaft) – ein Wortspiel, das die Identifikation des Komponisten mit der von ihm in Töne gegossenen Trauer nicht ohne Selbstironie zum Ausdruck bringt. 

Zum 400. Todestag des größten Melancholikers der Musikgeschichte erkunden wir das Werk des in vielerlei Hinsichten ungewöhnlichen Komponisten und Lautenisten, der, wie viele seiner seiner Zeitgenossen, im Beginnenden 17. Jahrhundert die eigene Innerlichkeit entdeckte und seine Erfahrung von Melancholie und Verzweiflung musikalisch vollendet mitteilte – und mit seinem faszinierend-resignativen Tonfall den Nerv der Zeit traf. Nicht nur in England, sondern überall in Europa.

  • Anna Moritz Sopran
  • Julia Böhme Alt
  • Johannes Gaubitz Tenor
  • Cornelius Uhle Bass
  • lautten compagney BERLIN
  • Wolfgang Katschner Musikalische Leitung
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